8. Februar 2020. Applausordnungen sind in Deutschland meist eine ernste Sache (wenn nicht gerade Herbert Fritsch dazwischengrätscht, aber selbst dann sind sie inszeniert): Wer tritt wann wie auf, verbeugt sich wo? Bei ¡Adelante! zeigt sich, dass es auch noch um etwas anderes geht: Bei allen drei chilenischen (Co-)Produktionen nutzten die Schauspieler*innen den Applaus für Protest-Signale: Die Teams von "La flauta mágica / Die Zauberflöte" und "Paisajes para no colorear" hielten sich je ein Auge zu, die "Paisajes para no colorear"-Frauen und das "Muerte y explosión..."-Team reckten Transparente in die Luft. Das ist beeindruckend, gerade auch hier in Deutschland. Weil spätestens jetzt (und voraussetzungsloser als in den Inszenierungen) klar wird, dass in Chile irgendetwas gründlich schief läuft, von dem wir in den Medien zu wenig erfahren. Und weil Haltung immer auch Mut erfordert. Was passiert, wenn es diese Haltung nicht gibt, haben wir gerade in Erfurt gesehen. Vielleicht ist es auch bei uns Zeit für klare Botschaften auch außerhalb von Inszenierungen. (gk)